| Jakob
ist wieder zurückgekommen in das Land seines Vaters. Er
hat sich mit Esau versöhnt. Die Wanderung ist vorbei.
Sie haben angefangen, sich Hütten zu bauen und seßhaft
zu werden. Lea
und Rahel sitzen zusammen an der Feuerstelle. Die
erwachsenen Kinder sieht man ein Stück entfernt, wie sie
Jakob beim Viehhüten helfen, die älteren Kinder
bearbeiten gerade ein Stück Acker, das zum Garten
umgestaltet werden soll. Die kleineren Kinder spielen am
Feuer. Immer wieder muß Rahel schimpfen: "Also
Josef! Zündel mal nicht so am Feuer herum. Das ist
heiß! Da kannst du dich verbrennen!"
"Übrigens,
gestern hab ich die Frauen von Esau besucht!",
erzählt Lea. "Also es ist schon interessant. Die
haben so süße, kleine Götterfiguren. Unheimlich
praktisch, wenn du mich fragst. Schau her! Die Basemat,
eine der Frauen von Esau, hat mir eine geschenkt."
"Was meinst
du? Was ist daran so praktisch?"
Lea antwortet:
"Na, die kannst du überall mitnehmen. Die kann man
umhängen. Wenn ich Hilfe brauche, dann kann ich meinen
Gott vor mich hinstellen und ihn anbeten. Und danach kann
ich ihn wieder umhängen. Ist das nicht viel praktischer,
als dein großes Götterbild? Ich hab mich sowieso
gewundert, daß du es damals unter deinem Sattel
verstecken konntest, ohne daß dein Vater es gemerkt
hast."
"Ich weiß
schon - du bist neidisch, weil ich allein bisher ein
Götterbild hatte", meint die Rahel. "Aber
zugeben muß ich schon: So eine Taschengott-Ausführung
ist auch nicht schlecht - wirklich praktisch."
Jakob ist mit der
Arbeit beim Vieh fertig. Er kommt an die Feuerstelle.
"Lea und Rahel, ihr müßt packen! Morgen früh
ziehen wir los. Ich will noch einmal dahin, wo mir zum
ersten Mal Gott begegnet ist. Ihr wißt schon, nach
Bethel. Ich habe euch doch schon oft erzählt, daß ich
Gott versprochen habe, dahin zurückzukehren und ihn zu
ehren, wenn er mich behütet und wieder zu meinem Vater
zurückkommen läßt. All das ist eingetroffen. Jetzt
muß ich auch mein Gelübde halten. Ich habe deutlich
gespürt, daß Gott das jetzt von mir will."
Lea moserte:
"Jetzt sollen wir hier schon wieder fort? Gestern
habe ich den Kindern gesagt, sie sollen einen Garten
anlegen. Was wird dann daraus?" Auch Rahel ist nicht
begeistert. "Du weist doch: Die Amme von der
Rebekka, die Debora, ist schon so alt. Für sie ist die
Wanderung jetzt zu anstrengend!"
Auch die Kinder
sind nicht begeistert: Josef klagt: "Dann können
wir ja nicht mehr mit Esaus Kindern spielen."
Aber Jakob läßt
sich nicht erweichen. "Ich habe es Gott versprochen
- ich muß mein Versprechen auch halten."
Da hält die Lea
ihren 'Taschengott' hoch und ruft fröhlich: "Na ja,
jetzt kann sich gleich zeigen, wie praktisch so ein Gott
ist. Da hab ich wenigstens nicht so viel
mitzuschleppen!" Rahel fügt an: So schwer ist mein
Gottesbild auch wieder nicht. Und wozu haben wir Tiere.
Die tragen das für mich!"
Jakobs Augen
blicken plötzlich ganz finster. Er wendet sich an Lea:
"Zeig her! Was hast du da!" Lea hält Jakob
ihren neuen 'Gott' hin. "Ist er nicht praktisch? So
handlich?" "Wir können diese Götzen nicht
mehr behalten! - Auch dein Gottesbild nicht, Rahel."
Ich habe damals geschworen: Wenn Gott mich segnet und so
führt, daß ich gesund wieder zu meinen Vater
zurückkommen, dann will ich ihm allein dienen - und das
gilt auch für alle, die zu meiner Familie gehören.
Diese Götzen müssen weg! Die können ja doch nicht
helfen! Und auch euere Ohrringe müssen ab. Denn die
tragen auch Bilder von Götzen. Gebt sie her!"
"Aber Jakob!
Wen sollen wir dann anbeten?" Jakob schaut sie an:
"Ihr betet meinen Gott an. Den kann man zwar nicht
sehen - aber er ist da! Das ist besser als bei diesen
Götzenbildern: die kann man sehen - aber es ist kein
Gott da! Mein Gott ist derselbe, den schon Abraham und
mein Vater Isaak angebetet haben. Ihr wißt, wie
schrecklich Isaak seinen Gott erfahren hat - immerhin lag
er schon auf dem Opferaltar und Abraham wollte ihn
opfern, als Gott eingriff. Die wunderbare Rettung durch
den Tausch mit einem Widder - da hat sich Gott wirklich
barmherzig gezeigt. Und ihr kennt auch die Geschichten,
die Abraham mit Gott erlebt hat. Isaak hat doch davon
immer wieder erzählt.
Und jetzt kann ich
auch eigene Geschichten mit Gott erzählen: Ich habe mit
ihm gesprochen und seine Boten, die Engel, gesehen. Gott
hat mit mir gekämpft, eine ganze Nacht lang - und ich
werde durch mein Hinken immer wieder an diese Nacht
erinnert. Und Gott hat mich behütet! Er hat mich
gesegnet - schaut, wie reich und wie zahlreich wir
geworden sind! Ist das nicht genug, um diesem Gott allein
zu vertrauen? Ihr solltet euch schämen, solche toten
Götzen anzubeten! Gebt sie her! Ich werde sie
vergraben."
Jakob sammelte
alle Götzen und Ohrringe ein - auch bei den Knechten und
bei seinen Kindern. Er vergrub alles unter einem Baum. Am
nächsten Morgen mußten sich alle besonders gut waschen
und neue Kleider anziehen. Jakob wollte Gott die Ehre
geben - auch dadurch, daß seine Angehörigen und alle
Knechte und Mägde gut gekleidet waren.
So zogen sie nach
Bethel. Auch unterwegs behütete sie Gott. Er hatte einen
"Gottesschrecken" geschickt: Alle fremden
Städte und Völker ließen Jakob und seine Söhne
unbehelligt durchziehen. Sie hatten Angst vor ihnen
bekommen. Schließlich kamen sie in Bethel an. Jakob
hatte den Platz so genannt, weil Gott ihm hier erschienen
war. Bethel heißt "Haus Gottes". Für Ihn war
diese Stätte heilig.
Jakob baute einen
Altar und sie feierten gemeinsam einen Dank-Gottesdienst.
Sie blieben
länger dort. Debora, die alte Amme der Rebekka, starb
und wurde unter einer Eiche begraben. Sie beklagten ihren
Tod.
Und in einer Nacht
erschien Gott dem Jakob wieder und redete mit ihm: Und er
bestimmte: "Du sollst jetzt nicht mehr Jakob
heißen! Du sollst jetzt Israel heißen, weil Gott mit
dir gekämpft hat!" Israel, das heißt: 'Gott
kämpft!'
Und Gott sprach:
"Ich bin der allmächtige Gott. Sei fruchtbar und
mehre dich. Ein Volk und eine Menge von Völkern sollen
von dir kommen. Und das Land, das ich Abraham versprochen
habe, will ich deinen Nachkommen geben."
Und Jakob glaubte
Gott. Er und seine ganze Familie betete von da an nur
noch zu ihm - Dem Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, von
dem wir heute wissen, daß er auch der Vater Jesu Christi
ist. Er wußte: In seinem Arm bin ich geborgen! Bei ihm
bin ich gut aufgehoben.
Auch uns segnet
Gott. Auch wir sind in seinem Arm geborgen. Deshalb
wollen wir jetzt im Lied Gott loben.
|