Liebe Gemeinden!  
     
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„Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück,
der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.“

Lukas 9,62

 
     
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Am 1. September 1989 begann ich meinen Dienst als Gemeindehelfer je zur Hälfte in den Kirchengemeinden Emskirchen und Wilhermsdorf. 22 Jahre sind inzwischen vergangen - gefüllte Jahre. Unzählige Begegnungen mit Gemeindegliedern haben stattgefunden - bei Geburtstagen, im Krankenhaus, im Seniorenkreis, bei Ausflügen, bei Mitarbeitertreffen mit Mitarbeitern in Kindergottesdienst, Kids-Go, bei Kinderbibelwochen und Konfirmandenfreizeiten, Kirchenvorstandssitzungen, Dienstbesprechungen, Gemeindefesten und Gottesdiensten. Kirchengemeinden

Bei all meinem Tun hat mich das Wort aus Lukas 19,10 begleitet: „Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.“ Auf Jesus hinzuweisen und zu ihm einzuladen und für Menschen Verständnis haben und ihnen zuzuhören - das habe ich als Aufgabe gesehen.

Nun ist es Zeit, Abschied zu nehmen. Abschied nehmen ist in meiner Situation gar nicht so einfach: Denn ich bleibe ja noch im Dienst - nur eben statt in Wilhermsdorf nun in Markt Erlbach. Mein Wohnsitz verändert sich nicht, ja, es kann sogar sein, daß ich in Wilhermsdorf ab und zu noch als Gemeindereferent tätig werde - wenn vielleicht mal eine Vertretung nötig sein sollte. Ich verabschiede mich jedoch in meiner Funktion als „halber“ Gemeindereferent für Wilhermsdorf. Diese Aufgabe ist nun für mich beendet. Es war nicht mein Wunsch, von Wilhermsdorf wegzugehen und an einem anderen Ort neu anzufangen. Seit einigen Jahren wurde davon geredet, daß die Stelle in Wilhermsdorf wegfallen würde. Manche Spekulation kam auf, wo der zukünftige Arbeitsplatz wohl sein könnte. Diese lange Zeit der Ungewißheit war nicht besonders förderlich für meine Arbeit: Stets im Unklaren darüber, ob und wie lange man noch längerfristig im Voraus etwas planen könnte - das lähmt.

Deshalb bin ich froh, daß jetzt Klarheit herrscht. Und ich freue mich auch darauf, in Markt Erlbach neu beginnen zu können. Ich bin bereit, die neue Herausforderung anzunehmen und mit der Kraft und den Gaben, die mir Gott verliehen hat, in Markt Erlbach an seiner Gemeinde mitzubauen. Klar, daß man sich über die vergangenen 22 Jahre Gedanken macht. Es gibt genug Stoff, um über die zurückliegende lange Zeit nachzudenken. Ein paar Gedanken will ich mir auch machen - aber nicht, um wehmütig auf vergangene Zeiten zu schielen. Ich könnte mir auf die Schultern klopfen und aufzählen, was ich alles geleistet habe, ich könnte aber auch jammern, daß alles heute so viel schlechter ist. Doch das würde nur zu Selbstbeweihräucherung oder Lähmung führen. Ich will das vermeiden, was Jesus als schlecht verurteilt, wenn er sagt: „Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.“ (Lk. 9,62).

Aus den zurückliegenden Jahren kann man aber auch Kraft und Lehren für die Zukunft schöpfen. Man kann daraus lernen, Fehler zu vermeiden und besser zu arbeiten. Ich beschränke mich darauf, ein paar Schlaglichter zu benennen, die mir begegnet sind. Es ist auch nur meine - vielleicht durchaus begrenzte - Sicht der Dinge. Ein Hauptarbeitsfeld in meiner Arbeit war der Kindergottesdienst. Hier hat sich auch die größte Veränderung ergeben. Im Lauf der Jahre wurde es immer schwieriger, Kinder im
Kindergottesdienst zu sammeln. Früher war es normal, daß zumindest die Kinder regelmäßig in den Kindergottesdienst gingen, deren Eltern eine Bindung zur Kirche hatten. Besuchten 1998 durchschnittlich 11 Kinder den Kindergottesdienst, waren es 2007 noch 4 Kinder - trotz Werbung und Einladeaktionen. Inzwischen mußte der wöchentliche Kindergottesdienst aufgegeben werden. Ich bin froh, daß der monatliche Kindergottesdienst derzeit noch stattfinden kann.

Gründe für diese Entwicklung gibt es viele: In den letzten Jahren war es zunächst nicht die Zahl der Geburten - Kinder gab es genug. Es war einerseits die große Mobilität, die es ermöglicht hat, wegzufahren und Ausflüge zu unternehmen. Andererseits die vermehrte Anspannung im Beruf, so daß Eltern sagen, sie wollen wenigstens am Sonntag noch Zeit für ihre Kinder haben. Aber auch, daß Eltern am Sonntag lieber ausschlafen, als den Gottesdienst zu besuchen und die Kinder zu bringen - denn kleine Kinder sind vom Verhalten der Eltern abhängig. Ich möchte alle Eltern einladen, ihren Kindern die Chance zu geben, nicht nur in der Schule zu lernen, sondern auch die eigene Seele zu entdecken. Der Kindergottesdienst ist hierzu eine sehr gute Möglichkeit. Eine große Herausforderung für den Kindergottesdienst in den nächsten Jahren wird die geringe Geburtenzahl sein. Das Problem geringer Geburtenzahlen ist nicht hausgemacht allein in Wilhermsdorf - die Kirchengemeinden sind deutschlandweit betroffen. Wo wenige Kinder geboren werden, verringern sich auch die Teilnehmerzahlen im Kindergottesdienst. Es wird nicht einfach sein, diese Arbeit aufrecht zu erhalten. Es wird auch für die Mitarbeiter nicht einfach sein, unter diesen Voraussetzungen ihre Arbeit zu tun - es kann vermehrt auftreten, daß keine Kinder oder nur eine sehr geringe Zahl kommen - diesen Frust auszuhalten, ist nicht einfach - und der Kirchenvorstand, ja die ganze Gemeinde werden mithelfen müssen, zu ermutigen und Kinder einzuladen.

Als Zusatzangebot haben wir den Kindergottesdienst in den Kindergärten eingeführt. Der Vorteil ist: Die Kinder sind da - man ist nicht auf ein besonderes Engagement der Eltern angewiesen. Man kann mit dem Kindergartenpersonal zusammenarbeiten. Das hilft, den Kindergottesdienst mit kindgemäßen Themen und kreativen Inhalten zu gestalten und hat Mitarbeitern und Kindern in den letzten Jahren viel gebracht. Aber auch hier wird vermutlich ein weiterer Rückgang hinzunehmen sein: Wenn wenig Kinder geboren werden, werden auch die Kindergartengruppen weniger. Wilhermsdorf hat diesen Rückgang durch den Aufbau von Kinderkrippen bisher aufgefangen. Wie es auf Dauer weitergehen wird, kann ich nicht absehen.

Ein weiterer großer Bereich meiner Arbeit waren die Kinderbibelwochen. Sie waren in Wilhermsdorf in den letzten zwanzig Jahren immer ein Highlight. Mit jeweils etwa 25 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern konnte den Kindern viel geboten werden. Die Kinderbibelwochen haben zwar viel Vorbereitung erfordert, aber es war auch schön, zu erleben, wie die Kinder mitgesungen, gespielt, gebastelt und bei den Fortsetzungsgeschichten mitgefiebert haben. Mir hat es Spaß gemacht, beim Kulissenbau und bei den Basteleien meine praktischen Fähigkeiten einbringen. Dieser Arbeitsbereich muß neu organisiert werden. Vielleicht müssen diese Arbeit in Zukunft ehrenamtliche Mitarbeiter übernehmen. Aber auch hier wird sich etwas ändern: Die Zahlen der letzten Jahre werden nicht mehr erreicht werden können: Hatten wir früher meistens zwischen 120 und 160 Kindern, wird die Zahl der Kinder massiv zurückgehen, weil es in Wilhermsdorf gar nicht mehr so viele gibt. Positiv daran ist: Kleinere Gruppen ermöglichen eine intensivere Betreuung und bieten neue Chancen, mit den Kindern näher in Kontakt zu kommen. Eine lohnende Aufgabe wird diese Arbeit jedenfalls auch in Zukunft bleiben.

Die wöchentliche Präparanden- und Konfirmandenarbeit war lange Jahre einer meiner Tätigkeitsbereiche. Erst als Pfarrer Schmidt gekommen ist, fiel dieser Arbeitsbereich weg. Nur bei den Konfirmandenrüstzeiten war ich noch regelmäßig dabei. Manche Gruppen habe ich noch gerne in Erinnerung, einige wenige waren sehr schwierig und haben nicht dazu beigetragen, daß der Konfirmandenunterricht Spaß gemacht hat.

 
 

Von den ersten Schritten
des Kindes
bis zum Schritt in die
Selbständigkeit,
von der Taufe
bis zur Konfirmation,
Gottes guter Geist
- ein treuer Begleiter
... und weit darüber hinaus.
 

Einzelne Begegnungen tun auch weh: Einen ehemaligen Konfirmanden habe ich vor ein paar Jahren im Hallenbad in Herzogenaurach getroffen. Er erinnerte mich daran, daß ich zu ihm gesagt hätte, er solle sich doch besser nicht konfirmieren lassen. Er ist dann gleich am Tag nach der Konfirmation aus der Kirche ausgetreten. Es kann aber auch nötig sein, falsche Einschätzungen zu korrigieren: Denn andere - unter ihnen sind auch ehemalige „Störenfriede“ - haben nach der Konfirmation ihren Weg in die Gemeinde gefunden und wurden stramme Mitarbeiter, über die ich mich freue. Die Konfirmation und ihre praktische Ausgestaltung war und ist für mich immer wieder ein schwieriges Thema. Einerseits gibt es Kinder, die sich so aufgeschlossen und ernsthaft mit den Glaubensthemen befassen, daß man sich über sie nur freuen kann. Aber es gibt auch andere, die nur auf die Geschenke aus sind und denen der Glaube an Gott letztlich egal ist. Durch die übertriebene Geschenkeflut wird diese problematische Einstellung auch noch gefördert: Geschenke zur Konfirmation wirken zum Teil wie Bestechung (Ich habe nicht generell etwas gegen Geschenke - aber sie sollten in ihrer Dimension keinen „Stundenlohn pro Konfirmandenstunde“ erreichen, der zum Teil über dem von arbeitenden Erwachsenen liegt!). Denn die Folge ist: Die Kinder verhalten sich nicht ehrlich und die Geschenke bekommen ein zu großes Gewicht. Ich kann nur hoffen und beten, daß die Konfirmanden ihren Weg zu Gott finden und ihn gehen. Nirgendwo sonst ist es mir immer wieder so deutlich geworden, daß unsere Arbeit auf Hoffnung angelegt ist, wie in diesem Arbeitsbereich. Zwar nicht regelmäßig, aber sehr gerne habe ich den Seniorenkreis besucht. Mit den „Alten“ konnte man gut reden und sie zeigten an den Themen stets großes Interesse. Wir konnten miteinander auch
scherzen und viel lachen. Als ich aber versuchte, zu kleinen Bastelarbeiten anzuregen (z.B. mit Zahnbürsten-Spritztechnik herbstliche Karten herzustellen oder Oster-Fensterbilder zu gestalten), erntete ich nicht bei allen großes Lob, auch wenn bei vielen schöne Ergebnisse herauskamen. Der Seniorenkreis hat sich all die Jahre hindurch gehalten und bietet den Teilnehmern ein schönes Erlebnis am Nachmittag. Es ist lohnend, daran teilzunehmen - ich kann dazu nur einladen.

Große Veränderungen hat es im Bereich der Krankenhausbesuche gegeben. Nicht bei den Besuchen an sich - aber bei den Begleitumständen. Anfangs besuchte ich auch die Wilhermsdorfer im Klinikum Fürth - bis der Datenschutz es unmöglich gemacht hat. In Neustadt/Aisch sind Besuche noch möglich - und Klinikleitung, Schwestern und Pfleger sind froh und dankbar, wenn wir kommen, weil sie zu längeren Gesprächen oft keine Zeit haben. Die Verweildauer der Kranken hat sich sehr stark verkürzt mit der Folge, daß man viele Gemeindeglieder gar nicht mehr antrifft. Eine Dauerpräsenz im Krankenhaus ist aber nicht möglich.

Geburtstagsbesuche sind ein wichtiges Feld, um den Kontakt zur Gemeinde aufrechtzuerhalten. Hier kann man erfahren, wo es Ärger gibt, wo sich jemand gefreut hat oder enttäuscht wurde. Man kann auch einmal seine Sicht von Ereignissen oder Entwicklungen in ausführlicherer Weise darlegen als bei Veranstaltungen oder im Gottesdienst. Das ist sehr wertvoll für den Zusammenhalt der Gemeinde. Ob aber auf Dauer die Anzahl der Besuche zu halten sein wird, ist sehr fraglich - zumal hier der Wegfall des Gemeindereferenten sicher zu spüren sein wird. Da die Menschen außerdem immer älter werden, nimmt die Zahl der Besuche noch weiter zu. Das wird auf Dauer nicht zu schaffen sein. Vermutlich wird der Kirchenvorstand hier schmerzhafte Entscheidungen zu treffen haben - sofern die Defizite nicht durch ehrenamtlichen Einsatz abgedeckt werden können.

Die Verzögerung beim Umbau des Gemeindehauses habe ich sehr bedauert. Ich war und bin noch immer der Meinung, die Kirchengemeinde täte gut daran, sich nicht von anderen abhängig zu machen und ein eigenverantwortetes Gemeindehaus zu schaffen, ob nun durch einen Neubau oder durch Umbau des bestehenden Hauses. Leider muß jetzt vorrangig das Pfarrhaus in Angriff genommen werden - so daß das Gemeindehaus weiter auf der Strecke bleibt. Zwar darf man bei der Finanzierung nicht völlig von der Realität abheben - aber ein wenig Gottvertrauen ist auch angebracht - und wie ich die Gemeindeglieder erlebt habe, sind sie auch bereit, bei Bedarf finanziell intensiver mitzuhelfen.

Ich kann diese Worte nicht beschließen, ohne mich zu bedanken: Ich bedanke mich bei den Pfarrern Kramer, Kleefeld und Schmidt, mit denen ich zusammenarbeiten durfte. Sehr dankbar bin ich für die Kirchenvorstände in den verschiedenen Sitzungsperioden: Es ist gut, daß in den Sitzungen nüchtern die Lage beurteilt und offen und vernünftig in guter Atmosphäre miteinander geredet werden konnte. Ich danke den Kindergottesdienst- und ehemaligen Kids-Go-Mitarbeiterinnen, die treu und mit großem Einsatz ihren Dienst getan haben oder noch tun. Ich bedanke mich bei den mehr als hundertfünfzig Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern - auch aus der kath. Kirche -, die bei den Kinderbibelwochen aktiv waren: sie haben wirklich Großes geleistet! Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei den Konfirmandenrüstzeiten waren ein gutes Team, ohne das vieles nicht möglich gewesen wäre. Ich habe mich gefreut, daß die jeweiligen Mesner/-innen auf meine Sonderwünsche bei Kinderbibelwochen und bei anderen Gelegenheiten aufgeschlossen eingegangen sind. Ich bin dankbar dafür, daß ich mich im CVJM-Freundeskreis sehr wohlfühlen konnte. Auch bei den Gemeindegliedern möchte ich mich bedanken für die meist herzliche Aufnahme, selbst dann, wenn ich ungelegen gekommen bin und für viele gute Gespräche. Ich habe in den zurückliegenden Jahren von den Wilhermsdorfern sehr viel gelernt.

Ich wünsche der gesamten Kirchengemeinde Wilhermsdorf Gottes Segen für die Zukunft - und mit der neuen Pfarrerin eine Seelsorgerin, die die Menschen erreicht und in der Gemeinde Altes und Neues einbringen und verbinden kann.

Ihr Gemeindereferent

Jürgen Bär

 

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