Die Orgel der Hauptkirche  
       
  Die Orgel    
       
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  Das Orgelgehäuse  
  Bei Klick: Vergrößerung in neuem FensterEine gediegene, warme und harmonische Ausstrahlung empfindet der Betrachter der Orgel.

Die schlichte und doch kunstvolle Intarsienarbeit aus eingelegtem Nußbaumfurnier beeindruckt und fasziniert. Nichts an der Orgel wirkt überladen.

Auch die vergoldeten Akanthus)*-Ornamente, die bunten Blütenmotive und die zahlreichen Putten ordnen sich dem Gesamteindruck unter.

)* Akanthus ist der "Bärenklau", ein in den Mittelmeerländern heimisches, stachliges Staudengewächs. Akanthus-Ornamente sind dieser Pflanze nachempfundene Schmuckelemente. Sie sind nicht selten in alten Kirchen, aber auch in antiken Tempeln zu finden.

 

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  Der Aufbau  
  Bei Klick: Vergrößerung in neuem FensterDie Orgel ist dreitürmig angelegt. Orgelpfeifen treten in den drei Hauptfeldern der Türme, aber auch in zwei dazwischensetzte, nach vorne gewölbte Anbauten hervor. Die sichtbaren Bereiche der Orgelpfeifen sind eingebettet in die vergoldeten Akanthuswangen und in die Blütenornamente.

Der mittlere Teil trägt oben eine Tafel mit der Aufschrift: "Gloria in excelsis deo" (Ehre sei Gott in der Höhe).
Sie erinnert uns an die himmlischen Heerscharen, die die Weihnachtsbotschaft an die Hirten begleitet haben:

Lk 2,9-14
Und der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.

Die beiden Flanken der Orgel zieren Engelsstatuen.
Die geschwungene Brüstung der Orgelempore schafft Raum für den Spieltisch und die Orgelbank.

 

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  Die Putten  
     
  Bei Klick: Vergrößerung in neuem FensterBei Klick: Vergrößerung in neuem FensterPutten sind in der Barockzeit weitverbreitet. Es sind nackte oder fast nackte Kinderfiguren mit Flügeln, also "Kinderengel". Oftmals findet man auch nur die Köpfe oder Köpfe und den Ansatz des Körpers, wie sie auch an der Orgel zu erkennen sind (siehe auch Taufstein!).

An der Orgel stellen Sie die Engelschar dar, die durch ihren Gesang und mit ihren Instrumenten Gott lobt und preist.

 

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  Der Handwerker  
  Das Orgelgehäuse wurde wie auch die Kanzel im Jahr 1711 durch den Wilhermsdorfer Karl Matter, genannt "Sonnenwirth" kunstvoll verfertigt. Seine Leistung ist um so erstaunlicher, wenn man weiß, daß er nur nebenberuflich als Schreiner gearbeitet hat.  

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  Das Orgelwerk  
  Während das Gehäuse der Orgel durch die Jahrhunderte nahezu völlig im alten Zustand erhalten blieb, hat das Orgelwerk eine wechselvolle Geschichte hinter sich.
Bemerkt werden darf noch, daß zur Zeit der Entstehung die Wilhermsdorfer Orgel an Größe und Klangvielfalt alle damaligen Nürnberger Orgeln weit übertraf.
 

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  Die Reichard-Orgel  
  Das Orgelwerk stammte ursprünglich von dem "Orgel und Clavicimbelmacher" Adam Ernst Reichard (Geb. 26.5.1670; Gest. 21.07.1756). Er war aus Thüringen nach Wöhrd gezogen. Am 14. Oktober 1702 erwirbt er das Nürnberger Bürgerrecht. Er hat rund 60 Jahre in Nürnberg gearbeitet.

Mitgearbeitet hat sein Geselle Johann Christoph Wiegleb aus Nürnberg. Er war damals 21 Jahre alt. (1690-1749).

Die Orgel wurde im Jahr 1711 geschaffen und war am 31. Oktober 1711 fertig. (Die Kirche selbst wurde erst am 2. September 1714 eingeweiht.)

Bei der Neuschaffung im Jahr 1992 wurde ein entsprechender Werkstattzettel im Orgelprospekt gefunden.

 

 

In seiner "Historischen Beschreibung von Wilhermsdorf" teilt Johann Christian Wiebel mit:

Das Orgelwerk hatte "lauter zinnerne Pfeiffen, ein doppeltes Clavier und ein Pedal. Das obere Clavier hat 7 Register, als:

1.) Principal 8. Fuß
2.) Octava 4. Fuß
3.) Quinta 3. Fuß
4.) Mixtur dreyfach 2. Fuß
5.) Quintadena 8. Fuß
6.) Spitz-Fleuten 4. Fuß
7.) Superoct. 2. Fuß
     
Das untere Clavier hat eben so viele Register, welche sind:
1.) Grob Gedact 8. Fuß
2.) Klein Gedact 4. Fuß
3.) Cymbel doppelt  
4.) Rohr Fleuten 8. Fuß
5.) Solational 4. Fuß
6.) Block-Fleuten  
7.) Viol di Gamba 8. Fuß
 
Das Pedal ist von 32. Fuß"

 


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  Renovierungen und die Strebel-Orgel  
  Die "Reichard-Orgel" wurde erstmals im Jahr 1812 durch Johann Georg Höhn aus Frauenaurach überholt.

1833 wurde der Ansbacher Orgelbauer Carl Friedrich Näser mit der Instandsetzung beauftragt.

Schon 1845 wurde wieder ein Kostenvoranschlag eingeholt. Dies geschah bei dem Orgelmacher Johann Friedrich Hetz aus Kulmbach. Ob die Orgel wirklich renoviert wurde, ist aber nicht feststellbar.

Am 14. Juni 1886 legte der Orgelbauer Johannes Strebel ein Orgelgutachten vor. 1887 erhielt er den Auftrag für einen Orgelneubau. Er sollte in das historische Gehäuse ein mechanisches Kegelladenwerk einbauen. Die Disposition ist nicht mehr zweifelsfrei feststellbar.

Größere Umbauten und Erweiterungen erfolgten 1939 durch die Firma Steinmeyer. So wurde die Orgel mit einer elektrischen Traktur versehen. Vermutlich wurde auch der Spieltisch erneuert, sowie die Disposition und Intonation der Strebel-Orgel verändert.

1967 wurde die Orgelbaufirma Erich Bauer aus Unterasbach mit der vollkommenen Überholung und Instandsetzung der Orgel und gleichzeitiger Imprägnierung gegen den Holzwurm beauftragt.

 

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  Die Hoffmann-Orgel von 1992  
     
  Alle Änderungen vermochten die Strebel-Orgel nicht zu verbessern. So wurde beschlossen, die Reichard-Orgel zu rekonstruieren. Als Glücksfall stellte sich der Fund des Werkstattzettels von Adam Ernst Reichard heraus. Man entdeckte auch andere Hinweise im Orgelgehäuse, die es ermöglichten, die Anordnung des Orgelwerkes festzustellen.

Mit der Firma Hoffmann fanden sich engagierte Orgelbauer, die ihr ganzes Können in die Umsetzung dieser Aufgabe einbrachten. Es waren intensive Forschungen und Vorarbeiten nötig, ehe man sagen konnte, das Klangbild der ersten Orgel zu kennen und nachbilden zu können.

Großer Dank für die beharrliche Arbeit an der Restaurierung gebühren auch Jürgen-Peter Schindler, dem Orgelsachverständigen von Sulzbach Rosenberg und Pfarrer Ernst Kramer, der die Restaurierung mit sehr großer Energie vorangetrieben hat.

 
         
    Disposition der Hoffmann-Orgel in Wilhermsdorf    
Hauptwerk C-d³

II. Manual

Principal 8‘ + Prospekt, Zinn
Quintadena 8‘ + Metall
Octava 4‘ + Metall
Spitz-Fleuten 4‘ + Metall
Quinta 3‘ + Metall
Superoctava 2‘ + Metall
Sesquialtera   neu Metall
Mixtur 3f. 2‘ + Metall
 
Hinterwerk C-d³

I. Manual

Grobgedackt 8‘ + Holz:
c-h Kiefer;
c'-d''' Eiche
Rohr-Fleuten 8‘ + Metall
Viol di Gamba 8‘ + Metall
Kleingedackt 4‘ + Holz:
C-c Kiefer;
cs-d''' Linde
Solational 4‘ + Metall
Block-Fleuten 2‘ + Metall
Cymbel doppelt ½‘ + Metall
Vox humana 8‘ neu Metallbecher
 
Pedalwerk C-f‘ Subbaß 16‘ + Holz-Kiefer
Violon Baß 8‘ + Holz-Kiefer
Bassett 4‘ neu Holz-Linde
Posaune 16‘ neu Holzbecher
Koppeln Schiebekoppel I     Hinterwerk/Hauptwerk
Copula I     Hauptwerk/Pedal
Copula II     Hinterwerk/Pedal
Cymbelstern C     Schalenglocken
c''' e''' g''' c'''
Cymbelstern G     Schalenglocken
g'' h'' d''' g'''
+ = Register der Reichard-Orgel von 1711:
Temperierung: Ungleich schwebend nach Bach/Kellner
7 reine Quinten
5 "wohltemperierte" Quinten
Erbaut 1992 Orgelbau-Werkstätten

Otto Hoffmann, Ostheim/Rhön


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