Evang. - Luth. Hauptkirche Wilhermsdorf  
       
  Die Hauptkirche    
       

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  Die Vorgängerkirche: Kapelle St. Martin  
  Die evangelisch - lutherische Hauptkirche wurde an der Stelle der abgebrochenen Kapelle St. Martin erbaut. Ein Ablaßbrief von Papst Clemens II. aus dem Jahr 1313 unterrichtet unserstmals vom Vorhandensein der Kapelle, deren Entstehung wohl weiter zurückgeht, vermutlich auf die fränkischen Kolonisation. 1387 wurde die Kapelle unter dem Heilsbronner Patronat zur selbständigen Pfarrei erhoben.

Ein Kupferstich aus dem Jahre 1621 zeigt die Kapelle leider nur ungenau. Vom Baustil her dürfte sie wie die fränkischen Wehrkirchen des Nürnberger Umlandes ausgesehen haben.

   
Krieg um Wilhermsdorf 04.10.1621

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  Vermutlich umgab eine massive Wehrmauer die Kirche, innerhalb derer der Friedhof lag.  
  Im Mai 1706 wurde die Kapelle abgerissen.  

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  Der Bau der Hauptkirche  
    Auftraggeberin:

Initiatorin und Auftraggeberin des Kirchenneubaus war die Gräfin Franziska Barbara von Hohenlohe, eine geborene von Welz. (siehe Geschichte).

Architekt:

Die Pläne für den barocken Neubau stammen vermutlich von dem Würzburger Hofbaumeister Joseph Greißing, auch Kreussig genannt. Er war der führende Architekt des Hochstiftes Würzburg. Für seinen Neubau übernahm Greißing im Grundriß das sogenannte "Vorarlberg-Schema" in reduzierter Form. Es besteht vorzugsweise aus einem Langhaus mit Tonnengewölbe zwischen seitlichen Kapellennischen und darüberliegenden Emporen.

 
 
     
  Bauleitung:  
  Die Bauleitung übernahm sein Werkmeister Christian Herrmann.  
     
  Grundsteinlegung:  
  Am 16. April 1706 wurde der Grundstein gelegt.  
     
  Einweihung:  
  Am 2. September 1714 wurde die Evangelische Hauptkirche zu Wilhermsdorf eingeweiht.

Vier Jahre nach Fertigstellung des Gotteshauses verstarb die fromme Gräfin Franziska Barbara mit 52 Jahren. Ihre letzte Ruhestätte fand sie in der Gruft unter der Kirche.

 
     
  Baukosten  
  Die Baukosten der Kirche betrugen 70000 fl.  

 

  Beteiligte Handwerker:  
  a) Aus Wilhermsdorf:
  • Bildhauer Stephan Hirstel
  • Schreiner Johann Georg Köberer
  • Schreiner Georg Ansorg
  • "Sonnenwirth" Karl Matter (Orgelgehäuse und Kanzel)
  • Glaser Ludwig Amelio Wolff
  • Schlosser Johann Konrad Benold
  • Schlosser Hans Paul Vogler
  • Uhrmacher Michael Vogler

Wilhermsdorf kann stolz auf die Leistung seiner Handwerker sein!

b) Von Außerhalb:
  • Maler Johann Christoph Rösler aus Neustadt a. d. Aisch
  • Drechsler Andreas Aiß aus Langenzenn
  • Glockengießer Johann Konrad Roth aus Forchheim
  • Dachdecker Johann Hempel aus Ochsenfurt
 

 

  Lage:  
  Die Wilhermsdorfer Hauptkirche befindet sich im Altortbereich von Wilhermsdorf. Anstatt der sonst so gebräuchlichen Ost-West-Ausrichtung ist sie von Nord nach Süd orientiert, da Greißing die Schauseite dem damals neuen Schloß zuordnete.  
     
  Fassadenproportionen:  
  Die Fassade auf der Südseite erstreckt sich 22 m in die Höhe und 17 m in die Breite. Die Fassadenhöhe ist auch durch die steile Hanglage bedingt, die man ausgleichen mußte. Dieser Höhenunterschied wird durch Treppen am Haupteingang und an den Seiten überwunden.  

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  Umliegende Gebäude:  
  Ritterhaus  
  Östlich der Kirche liegt das um 1768 errichtete Ritterhaus (Fertigstellung 1770), das als Verwaltungsgebäude der im "Canton Altmühl" (CA) zusammengeschlossenen Reichsritterschaften diente.  
     
  Kanzleigebäude  
  Westlich der Hauptkirche befand sich das ehemalige Kanzleigebäude für den reichsfreien Staat Wilhermsdorf (ab 1612).  
     
  Brauerei  
  Ebenfalls westlich der Hauptkirche befand sich die Brauerei. Die Gebäude der Brauerei stehen zwar noch, dienen heute aber anderen Zwecken.  

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  Grundriß:  
  Die Hauptkirche besitzt ein dreischiffiges, kreuzgratgewölbtes Langhaus, bestehend aus einem Mittelschiff und zwei schmäleren Seitenschiffen.  
  An das Mittelschiff schließt sich im Norden der in einem Rechteckgefüge eingeschlossene, leicht erhöhte Chor an.

Auf beiden Seiten des Chores finden sich Räume, westlich das sogenannte "Branntweinstübchen", östlich die Sakristei. Beide sind durch schmale Durchgänge in den massiven Wänden mit dem Chor verbunden. In ihren nördlichen Schmalseiten befinden sich ebenfalls Türen, die zu den Wendeltreppen des Turmes und zu den Patronatslogen führen.

In der östlichen Sakristei erreicht man über eine weitere kleine Holztreppe die Kanzel am östlichen Chorpfeiler.

   
Grundriß der Ev. Hauptkirche

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  Außenansicht:  
  Italienischer Einfluß ist bei der Fassade spürbar: Hierfür spricht die Verwendung von Kolossalpilastern, Blendgiebel, Volutenflanken, Falconettischen Fensterelementen sowie Rundbogennischen - Kennzeichen der Renaissance-Baukunst Italiens.  
  Typische Stilpraktiken Greißings, die er von Würzburg mitbrachte, sind auch an seinem Wilhermsdorfer Kirchenbau und besonders an dessen Fassade sichtbar. Weitere Merkmale seiner Handschrift am Bau sind die Verwendung unverputzter Werksteinquader in den Untergeschossen und bei den Pilastern sowie die Einfügung attikaähnlicher Zwischenglieder über den Pilasterkapitellen. Über die Portale setzt er reich dekorierte Oberlichtfenster, deren Stürze er wie die der anderen Fenster mit ohrenartigen Vorsprüngen versieht.  
     
  Baumaterial  
  Das Baumaterial der Kirche besteht aus Backstein, für die Gliederungen wurde Sandstein verwendet. Der Turm ist in Bruchstein sowie in Ziegelbrocken ausgeführt.  
     
  Friedhof  
  Früher gehörte ein Friedhof zur Kirche. Er befand sich zwischen dem Ritterhaus und der Hauptkirche.  

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