Aus der Wilhermsdorfer Geschichte
Der Ort wurde im Jahre 1096 erstmals erwähnt und erhielt
seinen Namen nach den hier in einem Schloß ansässigen
Edlen von Wilhelmsdorf.
Bekannte Namensformen sind Willhalmstorff,
Willehelmsdorff, Wilhalmsdorff oder Wilhelmsdorf.
Der
Herkunft des Ortsnamens ist leicht festzustellen: Die
ältesten Formen weisen mit Sicherheit auf einen Willihalm (Wilhelm) als Gründer des Ortes
hin. Die heutige Mundartform "Wilmerschdorf"
bildet die alte Form ziemlich lautgerecht nach. Die
heutige amtliche Form des Namens, die 1568 zum erstenmal feststellbar ist,
ist eine reine Schreibform - ein Kompromiß zwischen der
mundartlichen Form und dem spätmittelalterlichen
"Wilhelmsdorf". Um die "Veste
Wilhelmsdorf" siedelten sich die Bewohner an.
Wilhermsdorf ist ein Ort,
der frühzeitig von Juden besiedelt wurde. Der älteste
Grabstein auf dem außerhalb des Ortes gelegenen
Judenfriedhofs geht auf das Jahr 1452 zurück. Bereits 1568 wird in einem Güterverzeichnis
der Herrschaft Wilhermsdorf der Judenfriedhof und die
jüdische Schule erwähnt.
Die Besitzer selbst waren
ein kühnes und streitbares Geschlecht, der katholischen
Kirche treu ergeben. Noch 1565 beteuerte der Letzte dieses Geschlechts
"Wolff
von Wilhelmsdorf":
"Ich Wolffen von Wilhelmsdorf gerede und verspreche
bei meinem guten und wahren Glauben und Frauen..."
(gemeint ist wohl Maria!).
Die Erinnerung an dieses
bedeutsame Geschlecht lebt in dem Siegel der
Marktgemeinde fort.
Das Schild zeigt oben auf goldenem Grund drei rote Rauten
und unten auf blauem Grund ein "W". Die drei
roten Rauten auf goldenem Grund bedeuten die eigene
Gerichtsbarkeit der "Edlen von Wilhelmsdorf".
Rot ist die Farbe über Leben und Tod. Der goldene Grund
weist auf die "Edlen" hin. Die in blau
gehaltene untere Hälfte des Wappens soll die Treue zu
Kaiser und Reich verkörpern. Der Buchstabe "W"
in Silber gehalten ist der Anfangsbuchstabe des
Hausnamens "Wilhelmsdorf". Dieses Wappen von
Wilhermsdorf wurde der Marktgemeinde am 27. Mai 1926 vom Freistaat Bayern verliehen.

 1566 kauften die aus Hessen stammenden fünf
Brüder Schutzpere,
genannt "Milchling"
die Besitzung. Der bedeutendste der Brüder und
schließlich Alleinbesitzer von Wilhelmsdorf war der
Älteste: Freiherr Heinrich Herrmann von Burgmilchling. (Von ihm zeugen noch einige
wenige "Burgmilchlingtaler" - einer davon ist
im Besitz der Marktgemeinde - rechts eine
Holznachbildung) Heinrich Hermann war ein kenntnisreicher
und weitgereister Mann. Besonderes Interesse zeigte er
dafür, das Heilige Land kennenzulernen. So machte er
sich am 15. März 1561 auf den Weg und durchreiste Ägypten,
Arabien, Syrien und noch verschiedene ferne Länder. In
Jerusalem ließ er sich zum Ritter des Hl. Grabes
schlagen. Seine Ehefrau war Dorothea von Thüngen. Im Jahre 1570 hatte er von den Muffeln von
Ermreuth noch verschiedene andere Güter gekauft.
Unter seiner Herrschaft wurde die Reformation
eingeführt. Im Jahr 1572 wurden in der damaligen Martinskirche drei
Altäre "weggetan".
Nachfolger wurde dann
dessen Sohn Heinrich Hermann Schutzper, Freiherr von
Burgmilchling.
1612 erhielt er das kaiserliche Privileg der
Blutgerichtsbarkeit (Strafverfolgung bei
Kapitalverbrechen). Damit wird Wilhermsdorf faktisch zu
einem selbständigen Kleinstaat.
Am 4. Oktober 1621 schlug der Graf Ernst von
Mannsfeld mit seiner
ganzen Armee (5000 Reiter, 13000 Fußsoldaten, 17
Geschütze und 200 Wagen) sein Nachtlager in Wilhermsdorf
auf. Vom 17.-26. März 1632 war Gustav Adolf, der König von
Schweden, im Ort.
Heinrich Hermann Schutzper
starb 1556 kinderlos.
Mehrere
Besitzer wechselten sich in der Folgezeit ab.
Am 4. Mai 1667 kaufte Wolfgang Julius, Graf von Hohenlohe
und Gleichen, Herr zu
Langenburg und Kranichfeld, das Lehen Wilhermsdorf und
Neidhardswinden. Er förderte den Ort und sorgte für
einen Aufschwung.
1669 gründete Isaak ben Jehuda Löb Kohn aus
Prag in Wilhermsdorf eine hebräische Druckerei. Die
Druckerei bestand bis etwa 1690. Sie brachte eine Reihe
von zweisprachigen theologischen Werken hervor (in
hebräisch und jiddisch).
1671 erhielt er von Kaiser Leopold I. das Recht,
vier Märkte im Jahr halten zu dürfen.
1672-1693 ließ er das Residenzschloß aus
Bruchsteinen neu erbauen.
Er starb 1698 und wurde am Stammsitz Neuenstein
beigesetzt.

Gräfin Franziska Barbara war die zweite Gemahlin des Grafen
Wolfgang Julius. Ihr wurden Wilhermsdorf und die
Rittergüter Neuses und Buchklingen vermacht. Unter ihrer
Herrschaft nahm der Ort einen großen Aufschwung.
Sie wurde am 23.7.1666 geboren. Durch ihre zweite
Vermählung im Jahre 1701, kam der Besitz von Wilhermsdorf und was
dazu gehörte an Herrn Philipp Ernst, Grafen von
Hohenlohe und Herrn zu Langenburg und Schillingsfürst.
Die zu klein gewordene
Martinskirche wurde abgerissen und an deren Stelle im
Jahre 1706 mit dem Bau der Hauptkirche
begonnen, wie die Kirche heute genannt wird. Auf ihre
Kirche sind die Wilhermsdorfer stolz. Im Jahr 1714 wurde die Hauptkirche eingeweiht.
Im Jahr 1712 richtet Israel ben Meir aus Prag
mit Erlaubnis des Grafen Philipp Ernst von Hohenlohe
wieder eine hebräische Druckerei in Wilhermsdorf ein.
Bereits kurz nach der Gründung muß er sie wegen
Kapitalmangel an den hohenlohischen Hoffaktor Rabbi Zwi
Hirsch ben Chajim (1683-1772) aus Fürth verkaufen. Die
gedruckten Werke zeichnen sich durch eine große
Themenvielfalt aus (Theologie, Kabbalistik, Ethik,
Medizin, Grammatiken, Poesie, Medizin, Kalender). In
Wilhermsdorf wurden Bücher so berühmter Autoren wie
Akiba Bär, Jedidja ben Mosche Galante, Salomon Schneior
II und Isaak Auerbach gedruckt.
1739 kauft Zwi Hirsch ben Chajim eine Druckerei in Fürth
und stellt den Betrieb in Wilhermsdorf ein.
Weiter
entstanden unter der Herrschaft von Gräfin Franziska
Barbara 1707 ein Schulhaus, 1716 ein Krankenhaus (Spital) und ab 1718 die
Spitalkirche.
Am 3. April 1718 starb die "Wohltäterin von
Wilhermsdorf" an Brustkrebs. Sie wurde in der Gruft
"ihrer Kirche" beigesetzt.
Der
Eintrag im Sterbebuch lautet:
"Den 3. April 1718 morgens, zwischen 1 und 2 Uhr
verschied in dem Herrn die hochwohlgeborene Gräfin
Franziska Barbara, geborene Gräfin von Welz, vermählt
1. an Wieland Wolfgang Julius von Hohenlohe, welcher
hiesige Herrschaft Wilhermsdorf erst acquiriert und auf
diese seine hinterlassene Witwe transferiert - 2. an dem
jetzt regierenden Herrn de Linia Schillingsfürst, den
Grafen Philipp Ernst von Hohenlohe-Langenburg. Durch sie
ist hiesiger Ort post Deum Optimum Max. (nach Gottes
Willen) aus einem unansehnlichen schlechten Dörflein
worden was es ist, inmaßen sie nicht alleine die meisten
Häuser ganz neu, sondern auch hiesige Kirche mit
ungemeinen Kosten, wie auch die Gruft, in welcher sie
ruhet, erbauet, nicht weniger dem Spital erbauet und
eingeweihet..."
Nach ihrem Tod verwaltete
der 2. Mann die Besitzung. Er heiratete im Dezember 1718 Gräfin Maria Anna von
Oettingen-Wallerstein. Im Jahr 1733 übernahm der aus erster Ehe
stammende Sohn Philipp Ernst, Graf von Hohenlohe, die Herrschaft über
Wilhermsdorf. Er vermählte sich mit einer Gräfin aus
dem Hause Limburg-Styrum. Doch die Kinder, die aus dieser
Ehe hervorgingen, starben alle frühzeitig.
Philipp Ernst Graf von
Hohenlohe erließ 1735 für seinen Residenzort eine
Gemeindeordnung: Juden, die um Aufnahme im Ort
nachsuchen, müssen danach 2 Gulden in die Gemeindekasse
einzahlen. Die Juden unterliegen ebenso wie die anderen
Einwohner der Verpflichtung, an Sonn- und christlichen
Feiertagen mit einem Spieß bewaffnet im Ort Wache zu
stehen.
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