| Nachrichten aus der Kirchengemeinde | ||
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| Außerdem war ich Mitglied im Dekanatsausschuß. Da ich im Kirchenchor und im Gesangverein gesungen habe und auch Mitglied des Marktgemeinderates war, blieb kaum Zeit für weitere Aktivitäten in der Kirche. | ||||||
| JB: | Seit wann machen Sie Kirchenführungen? | |||||
| LG: | Im Jahr 1972 übernahm ich die erste Kirchenführung. Im Lauf der Zeit habe ich dann immer wieder Führungen übernommen, wenn die Pfarrer keine Zeit hatten. | |||||
| JB: | Was gefällt Ihnen an der Kirche? | |||||
| LG: | Mir gefällt sowohl die sakrale Baukunst, als auch die handwerkliche Kunst, die zu entdecken ist. Mich beeindrucken vor allem der Altar und der Taufstein im Chorraum, aber auch im hinteren Kirchenschiff die kunstvoll angelegten Treppen. Und die vielen Engel, die man in der Kirche finden kann. | |||||
| JB: | Was beeindruckt Sie am Altar und am Taufstein? | |||||
| LG: |
Der Altar ist von unten bis oben eine einzige Predigt. Ganz unten findet man die
4 Tugenden, darüber das Abendmahlsbild, in der Mitte die Kreuzigung, dann die
Geschichte vom ungläubigen Thomas und ganz oben die Übergabe der Weltherrschaft
an Jesus Christus: Da wird die christliche Botschaft sichtbar und erfahrbar. Und
bei den Kirchenführungen kann man wunderbar davon erzählen. Die dreieckige Form des Taufsteins weist auf die Trinität Gottes hin, die auch am Altar zu erkennen ist. Die Taufszene am Taufstein beeindruckt mich. Die Figuren sind aus Lindenholz geschnitzt und das Holz ist teilweise mit Gold und Silber überzogen. Die Leute wollen immer mit den Fingern klopfen, ob das auch stimmt. Aber wenn bei jeder Führung 20 Leute auf den Taufsteindeckel oder an die Figuren klopfen, fällt das Holz bald ab. Da erzähle ich immer die Geschichte vom ungläubigen Thomas, der in Jesu Wunden fassen mußte, um glauben zu können. Wir sind heute auch nicht anders, als es der Thomas war. |
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| JB: | Was sagen Sie den Leuten über die vielen Engel? | |||||
| LG: | Jeder der Engel hat einen eigenen Gesichtsausdruck. Die Engel am Taufstein sehen aus wie Wilhermsdorfer Buben, andere Engel könnten ehemalige Wilhermsdorfer Bäuerinnen sein. Wenn ich bei Wilhermsdorfern darauf hinweise, daß das ja ihre Vorfahren gewesen sein könnten, sehen viele ein zweites Mal genauer hin. Den Gesichtsausdruck der Engel erkläre ich so: Zur Entstehungszeit der Kirche waren die Wilhermsdorfer noch sehr arm. Die Bauersfrauen wußten oft um 11.00 Uhr noch nicht, was sie ihren Kindern zum Essen kochen können. Weil sie es doch geschafft haben, ihre Kinder zu ernähren, sind sie Engel geworden. Erst durch die Gräfin Franziska Barbara, die Erbauerin der Kirche, haben es die Wilhermsdorfer zu einigem Wohlstand gebracht. | |||||
| JB: | Was ist so besonders an der Wilhermsdorfer Kirche? | |||||
| LG: | Fast alle Gegenstände in der Kirche sind noch aus der
Erbauungszeit. Die Kirche ist eingerichtet worden wie ein Wohnzimmer.
Und das meiste ist unverändert erhalten geblieben. Ich werde oft auch
gefragt, warum an den Bänken Türen sind. Das sei ja nicht mehr
zeitgemäß. Gott sei Dank hat das Landeskirchenamt und Denkmalamt bei der letzten Renovierung die Entfernung der Türen nicht gestattet. Unser damaliger Pfarrer war modern eingestellt und hätte sie entfernen lassen. Allein die verwendeten Türbänder sind eine Kunst. Und es bleibt im Winter in den Bankreihen warm, weil es nicht so durchziehen kann. |
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| JB: | Welche Art von Besuchern kommt zu Führungen? | |||||
| LG: |
Das sind ganz verschiedene Leute. Seniorengruppen ebenso
wie Schulklassen. Ich habe schon Lehrer und Kunstsachverständige
geführt. Da hab ich manchmal Bammel gehabt, ob ich das auch alles
richtig mache. Über ein Ehepaar, das ich durch die Kirche geführt habe,
erfuhr ich am Ende der Führung, daß es ein Dekan mit seiner Gattin war. |
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| JB: | Können Sie ein lustiges Erlebnis erzählen? | |||||
| LG: | Eines Tages wurde während einer Führung ein Bild von mir gemacht, auf dem ich an der Orgel sitzend abgebildet war. Das erschien in der Zeitung. Kurz darauf rief mich der katholische Pfarrer Joseph Weiß an, ob ich nicht bei ihm die Orgel spielen könnte - auch wenn ich evangelisch wäre. Er war damals ganz neu in Wilhermsdorf und kannte sich noch nicht aus. Ich habe ihn dann aufgeklärt, daß ich zwar an der Orgel sitze, aber kein Organist bin - und welche Leute in der katholischen Kirche die Orgel spielen. |
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| JB: | Gibt es etwas, das die Leute immer wundert? | |||||
| LG: |
Die Gitterstühle an den Seiten im Kirchenschiff werden immer wieder mit Beichtstühlen verwechselt. Wenn ich dann erzähle, daß die Amtleute damals als „Höherstehende“ in diesen Gitterstühlen auch über das normale Volk „erhoben“ waren, begreifen es die Besucher. Es ist für Sie interessant, daß nach den Amtleuten die „Bürger“ diese Gitterstühle in Beschlag belegt haben, um ihre Stellung zu unterstreichen. Bis heute können diese besonderen Plätze gemietet werden und sind auch in Gebrauch. |
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| JB: | Herr Götz, herzlichen Dank für das Gespräch. | |||||
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