| Nachrichten aus der Landeskirche | ||
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| Dazu kommen noch familiäre Gründe, es gibt Dinge, für die ich mehr Zeit haben möchte. | |||||
| JB: | Hat Ihnen die Aufgabe in der Synode gefallen? Was hat Ihnen Spaß gemacht und was werden Sie vermissen? | ||||
| RS: | Die Mitsynodalen werden mir fehlen. Es war eine große
Bereicherung für mich, so viele engagierte Menschen kennen zu lernen,
die in unserer Kirche mitarbeiten. Vermissen werde ich die festlichen
Gottesdienste, die Themen mit den Vorträgen, die sich die Synode stellt,
hier z. B. zu erwähnen die Bildungssynode in Heilsbronn. Mir wurde
bewußt, daß die protestantische Kirche eine "Bildungskirche" ist. Auch
das letzte Thema: "Kirche vor Ort" - Kirche nahe bei den Menschen wird
mich noch länger beschäftigen. Was müssen wir tun, um mit dem Evangelium
nahe bei den Menschen zu sein, wie sollen die Strukturen der Institution
gestaltet sein, um dieses Anliegen zu fördern. Sehr schön war, daß man
die wechselnden Tagungsorte und die speziellen Eigenarten der Städte
kennen lernen durfte: z. B. die landwirtschaftliche Prägung von
Memmingen oder die Diaspora mit wachsenden Gemeinden in Freising, in
denen Gemeinden mit kaum Tradition sich bilden und ein lebendiges
Gemeindeleben entsteht. |
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| JB: | In der Synode gibt es auch Fraktionen - wo haben Sie sich zugehörig gefühlt? | ||||
| RS: | Es gibt drei Arbeitskreise, die sich aber bewußt nicht
als Fraktionen verstehen. Da wir keine „Urwahl“ haben, gibt es keine
„Parteien“. Alle Arbeitskreise sind für alle Synodalen offen und alle
Synodalen werden zu deren Sitzungen eingeladen. Die Arbeitskreise tagen
aber in geschlossener Sitzung, um es den Synodalen zu ermöglichen, sich
leichter auszutauschen. Die Arbeitskreise sind dazu da, um Informationen
zu geben, und um Raum zu geben, miteinander ins Gespräch zu kommen. Die
Arbeitskreise sind allerdings jeweils von einer bestimmten Grundhaltung
geprägt. Der Arbeitskreis „Gemeinde unterwegs“ betrachtet die Arbeit ganz bewußt aus der Gemeindeperspektive. In seiner Haltung versucht er, einen guten Konservatismus zu vertreten. Der Arbeitskreis „Offene Kirche“ hat besonders die Einrichtungen und Werke der Kirche im Blick und ist verstärkt gesellschaftspolitisch engagiert. Der „Dritte Arbeitskreis“ hat sich vor zwölf Jahren gegründet, weil den damaligen Synodalen die Prägung der anderen Arbeitskreise zu „linkslastig“ oder zu „rechtslastig“ war. Er will keine bestimmte Richtung vorgeben, sondern einfach nur ein offenes Diskussionsforum sein. Ich war zweite Sprecherin dieses Arbeitskreises. Schwierig ist es nur bei Wahlen - da wird schon miteinander verhandelt und nach „Bündnissen“ gestrebt, um den eigenen Kandidaten zur Wahl zu verhelfen. Das ist aber in der Regel nur am Anfang der Amtsperiode. |
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| JB: | Wo haben Sie sich besonders engagiert? | ||||
| RS: |
Ein Schwerpunkt der ersten sechs Jahre war die Einführung des Rotationsprinzips
für die Pfarrerschaft. Vorher hatte die Kirchenleitung keine Rechtsgrundlage,
Pfarrer zum Stellenwechsel zu bewegen. Sie konnte nur auf die Überzeugungskraft
setzen. Jetzt wird nach 10 Jahren ein Gespräche geführt, wie sich der Pfarrer
seine weitere berufliche Laufbahn vorstellt. Nach 15 Jahren sollen sie die
Stelle wechseln. Ein weiterer Schwerpunkt war meine Arbeit im Organisationsausschuß. Dieser ist für die Stellenpläne zuständig. Da ging es am Anfang um den Landesstellenplan übergemeindlicher Einrichtungen. Da habe ich mich noch nicht ausgekannt und mußte viel dazulernen. Beim Landesstellenplan für die Gemeinden habe ich mich dann schon ausgekannt. Und zuletzt ging es um den innerkirchlichen Finanzausgleich. Sechs Jahre war ich im Vergabeausschuß für die Aktion 1+1, mit Arbeitslosen teilen. |
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| JB: | Gab es Entscheidungen, die Ihnen Bauchschmerzen bereitet haben? | ||||
| RS: | Am meisten Bauchschmerzen hat mir der Beschluß
bereitet, in dem wir uns dazu entschlossen haben, die einzelnen
Abteilungen im Landeskirchenamt gleichmäßig zu budgetieren. Das hat der
Synode die Freiheit genommen, nicht nur innerhalb der Abteilungen
Schwerpunkte zu setzten, sondern die Abteilungen im Ganzen zu
priorisieren. Auch die Einführung des vorzeitigen Ruhestandes für
Pfarrer und Kirchenbeamte hat mir sehr leid getan. Für die
Kirchenbeamten war die Regelung nicht attraktiv genug, aber viele
Pfarrer haben diese Möglichkeit genutzt. Dabei brauchen wir die Pfarrer
so dringend. Generell hatte ich Bauchweh bei den Haushaltsbeschlüssen, weil diese Angaben für mich zu komplex und zu undurchschaubar waren. Nicht so wohl war mir, wenn ich über das "Wort der Synode" entscheiden sollte. Ich wußte nur selten, für was und für wen wir diese Verlautbarungen verabschiedeten. |
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| JB: | Gibt es Entscheidungen, auf die Sie stolz sind? Was war Ihrer Meinung nach ein gutes Ergebnis Ihrer Arbeit? | ||||
| RS: | Es war erhebend, bei der Unterzeichnung der „Erklärung
über die Rechtfertigungslehre“ dabei sein zu können. Gut fand ich den konkreten Kriterienkatalog bei der Landesstellenplanung, weil dadurch - bei allen Mängeln - die Entscheidung für die Gemeinden durchsichtiger und nachvollziehbarer geworden ist. Im Ganzen betrachtet finde ich auch die jetzige Berechnung des innerkirchlichen Finanzausgleichs gerechter, weil er sich an den Gemeindegliederzahlen mißt und somit ein Zusammenhang zwischen den Kirchensteuerzahlern und dem Einkommen der Gemeinden besteht. Ich bin auch überzeugt, daß es grundsätzlich gut ist, mehr Entscheidungsmöglichkeiten auf Dekanatsebene herunter zu verlagern. Schwierig ist es, wenn in einer Zeit damit angefangen wird, wo es nur Sparbeschlüsse gibt. |
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| JB: | Hat sich Ihrer Meinung nach die Situation der Kirche in diesen zwölf Jahren verändert? | ||||
| RS: |
Ja, es hat eine gewisse Wende eingesetzt. Die Kirche kann nicht mehr so aus dem Vollen schöpfen. Die Synode verabschiedete Haushalte, die nur durch Rücklagen gedeckt waren. Die Synode wurde oft kritisiert, daß es nur noch um „sparen, sparen, sparen“ geht und die geistlichen Inhalte vergessen würden. Aber in den vergangenen Jahrzehnten mußte die Kirche nicht sparen. Das Denken hat sich verändert. Man denkt marktwirtschaftlich. Kosten-Nutzen-Rechnungen werden aufgestellt. Mitarbeiter sind Arbeitnehmer, die Idee der Dienstgemeinschaft ist schwer durchzuhalten, z.B. wurden immer wieder Anträge an die Synode gerichtet, auf Lohnzuschläge zugunsten des Erhalts von Arbeitsplätzen zu verzichten. Aber das war praktisch nicht durchführbar. Ich habe den Eindruck, daß theologische Diskussionen von den Medien wenig nach außen vermittelt wurden. Ich erlebte bei der Verabschiedung des Prediger- und Prädikantengesetzes eine für mich hoch interessante, theologisch/juristische Auseinandersetzung, von der die Journalisten nicht berichteten. In Zukunft wird uns, so glaube ich, die Zusammenarbeit von ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeitern vor allem in den Gemeinden herausfordern. Wenn ein Pfarrer in den kommenden Jahren in der Regel zwei bis drei Gemeinden zu versorgen hat, werden auch wir als Gemeindeglieder umdenken müssen. Zu überlegen, was die Aufgabe eines Pfarrers ist - und was nicht, das ist ein Lernprozeß für alle, der gut vorbereitet werden muß. Die Kirchenleitung, d. h. Landessynode, Landeskirchenrat, Dekanatsausschuß und auch Kirchenvorstände werden sich in Zukunft mehr überlegen müssen, was notwendig ist, was in der Kirche auf keinen Fall fehlen darf, was unbedingt ihre Aufgabe ist und was auch andere Vereine oder Institutionen tun können. Dabei aber trotzdem eine Volkskirche zu bleiben, das wünsche ich mir. |
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