Nachrichten aus der Landeskirche  
     
  Zurück zum Gemeindegruß-Inhaltsverzeichnis  

  Die Mitarbeit in der Landessynode hat viele Einblicke und einen weiten Horizont gebracht

Zwölf Jahre ehrenamtlich in leitender Verantwortung

Nun will Frau Rosine Stumptner die Verantwortung an neue Leute übergeben

 
  Frau Rosine Stumptner aus Wilhelmsdorf vertrat unser Dekanat seit ihrer Wahl im Herbst 1995 in der Synode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Sie wurde vor sechs Jahren wiedergewählt und war damit zwei Perioden im Amt. Im November endet ihre Amtszeit mit der Verabschiedung in der Synode. Jürgen Bär befragte Sie nach ihren Erfahrungen aus diesen zwölf Jahren und den Gründen, weshalb sie eine weitere Kandidatur nicht mehr angestrebt hat:  
 
Rosine Stumptner - Bei Klick: Vergrößerung in einem neuen Fenster!
Frau Rosine Stumptner
JB: Warum haben Sie sich nicht erneut zur Wahl bereit erklärt?
RS: Man soll nicht zu lange in einem solchen Amt bleiben.
Die 12 Jahre waren eine lange Zeit und es ist jetzt meiner Meinung nach genug. Nach sechs Jahren wäre ich traurig gewesen, wenn ich nicht wiedergewählt worden wäre.
Im Lauf der Zeit mußte ich feststellen: Das Denken in so großen Zusammenhängen, die Bemühungen um gute Rahmenbedingungen und die kirchenpolitische Arbeit liegen mir nicht so und ich möchte meine Zeit lieber in der Ortsgemeinde einsetzen. Es fällt mir nicht so leicht, Gesetzestexte zu lesen und zu verstehen - doch darum geht es meistens bei der Arbeit in der Synode.
 
    Dazu kommen noch familiäre Gründe, es gibt Dinge, für die ich mehr Zeit haben möchte.  
  JB: Hat Ihnen die Aufgabe in der Synode gefallen? Was hat Ihnen Spaß gemacht und was werden Sie vermissen?  
  RS: Die Mitsynodalen werden mir fehlen. Es war eine große Bereicherung für mich, so viele engagierte Menschen kennen zu lernen, die in unserer Kirche mitarbeiten. Vermissen werde ich die festlichen Gottesdienste, die Themen mit den Vorträgen, die sich die Synode stellt, hier z. B. zu erwähnen die Bildungssynode in Heilsbronn. Mir wurde bewußt, daß die protestantische Kirche eine "Bildungskirche" ist. Auch das letzte Thema: "Kirche vor Ort" - Kirche nahe bei den Menschen wird mich noch länger beschäftigen. Was müssen wir tun, um mit dem Evangelium nahe bei den Menschen zu sein, wie sollen die Strukturen der Institution gestaltet sein, um dieses Anliegen zu fördern.

Sehr schön war, daß man die wechselnden Tagungsorte und die speziellen Eigenarten der Städte kennen lernen durfte: z. B. die landwirtschaftliche Prägung von Memmingen oder die Diaspora mit wachsenden Gemeinden in Freising, in denen Gemeinden mit kaum Tradition sich bilden und ein lebendiges Gemeindeleben entsteht.
Die Empfänge bei den Oberbürgermeistern, bei denen die jeweiligen Städte vorgestellt wurden, mit den launigen Begrüßungsreden haben mir viele wertvolle Einblicke verschafft.
Nicht zuletzt hat mir sehr gefallen, wenn es zu Begegnungen mit den Gemeinden vor Ort kam. Mit ihnen ins Gespräch zu kommen, Gutes und Kritisches auszutauschen und Erwartungen an die Synode zu hören. Der Blick über die eigene Gemeinde und das Dekanat hinaus wird mir am meisten fehlen.

 
  JB: In der Synode gibt es auch Fraktionen - wo haben Sie sich zugehörig gefühlt?  
  RS: Es gibt drei Arbeitskreise, die sich aber bewußt nicht als Fraktionen verstehen. Da wir keine „Urwahl“ haben, gibt es keine „Parteien“. Alle Arbeitskreise sind für alle Synodalen offen und alle Synodalen werden zu deren Sitzungen eingeladen. Die Arbeitskreise tagen aber in geschlossener Sitzung, um es den Synodalen zu ermöglichen, sich leichter auszutauschen. Die Arbeitskreise sind dazu da, um Informationen zu geben, und um Raum zu geben, miteinander ins Gespräch zu kommen. Die Arbeitskreise sind allerdings jeweils von einer bestimmten Grundhaltung geprägt.

Der Arbeitskreis „Gemeinde unterwegs“ betrachtet die Arbeit ganz bewußt aus der Gemeindeperspektive. In seiner Haltung versucht er, einen guten Konservatismus zu vertreten.

Der Arbeitskreis „Offene Kirche“ hat besonders die Einrichtungen und Werke der Kirche im Blick und ist verstärkt gesellschaftspolitisch engagiert.

Der „Dritte Arbeitskreis“ hat sich vor zwölf Jahren gegründet, weil den damaligen Synodalen die Prägung der anderen Arbeitskreise zu „linkslastig“ oder zu „rechtslastig“ war. Er will keine bestimmte Richtung vorgeben, sondern einfach nur ein offenes Diskussionsforum sein. Ich war zweite Sprecherin dieses Arbeitskreises.

Schwierig ist es nur bei Wahlen - da wird schon miteinander verhandelt und nach „Bündnissen“ gestrebt, um den eigenen Kandidaten zur Wahl zu verhelfen. Das ist aber in der Regel nur am Anfang der Amtsperiode.

 
  JB: Wo haben Sie sich besonders engagiert?  
  RS: Ein Schwerpunkt der ersten sechs Jahre war die Einführung des Rotationsprinzips für die Pfarrerschaft. Vorher hatte die Kirchenleitung keine Rechtsgrundlage, Pfarrer zum Stellenwechsel zu bewegen. Sie konnte nur auf die Überzeugungskraft setzen. Jetzt wird nach 10 Jahren ein Gespräche geführt, wie sich der Pfarrer seine weitere berufliche Laufbahn vorstellt. Nach 15 Jahren sollen sie die Stelle wechseln.

Ein weiterer Schwerpunkt war meine Arbeit im Organisationsausschuß. Dieser ist für die Stellenpläne zuständig. Da ging es am Anfang um den Landesstellenplan übergemeindlicher Einrichtungen. Da habe ich mich noch nicht ausgekannt und mußte viel dazulernen. Beim Landesstellenplan für die Gemeinden habe ich mich dann schon ausgekannt. Und zuletzt ging es um den innerkirchlichen Finanzausgleich.

Sechs Jahre war ich im Vergabeausschuß für die Aktion 1+1, mit Arbeitslosen teilen.

 
  JB: Gab es Entscheidungen, die Ihnen Bauchschmerzen bereitet haben?  
  RS: Am meisten Bauchschmerzen hat mir der Beschluß bereitet, in dem wir uns dazu entschlossen haben, die einzelnen Abteilungen im Landeskirchenamt gleichmäßig zu budgetieren. Das hat der Synode die Freiheit genommen, nicht nur innerhalb der Abteilungen Schwerpunkte zu setzten, sondern die Abteilungen im Ganzen zu priorisieren.

Auch die Einführung des vorzeitigen Ruhestandes für Pfarrer und Kirchenbeamte hat mir sehr leid getan. Für die Kirchenbeamten war die Regelung nicht attraktiv genug, aber viele Pfarrer haben diese Möglichkeit genutzt. Dabei brauchen wir die Pfarrer so dringend.
Insgesamt ist mir auch die Zustimmung zum Landesstellenplan nicht leicht gefallen, weil es dadurch in den traditionellen evangelischen Gebieten - und damit auch bei uns - in der Regel zu einem Stellenabzug kam - mit den damit verbundenen Nachteilen für die Gemeinden. Die Errichtung von halben Pfarrstellen bringt zumindest auf dem Land nicht viel und hat sich nicht bewährt.

Generell hatte ich Bauchweh bei den Haushaltsbeschlüssen, weil diese Angaben für mich zu komplex und zu undurchschaubar waren.

Nicht so wohl war mir, wenn ich über das "Wort der Synode" entscheiden sollte. Ich wußte nur selten, für was und für wen wir diese Verlautbarungen verabschiedeten.

 
  JB: Gibt es Entscheidungen, auf die Sie stolz sind? Was war Ihrer Meinung nach ein gutes Ergebnis Ihrer Arbeit?  
  RS: Es war erhebend, bei der Unterzeichnung der „Erklärung über die Rechtfertigungslehre“ dabei sein zu können.
Gut fand ich den konkreten Kriterienkatalog bei der Landesstellenplanung, weil dadurch - bei allen Mängeln - die Entscheidung für die Gemeinden durchsichtiger und nachvollziehbarer geworden ist.
Im Ganzen betrachtet finde ich auch die jetzige Berechnung des innerkirchlichen Finanzausgleichs gerechter, weil er sich an den Gemeindegliederzahlen mißt und somit ein Zusammenhang zwischen den Kirchensteuerzahlern und dem Einkommen der Gemeinden besteht.
Ich bin auch überzeugt, daß es grundsätzlich gut ist, mehr Entscheidungsmöglichkeiten auf Dekanatsebene herunter zu verlagern. Schwierig ist es, wenn in einer Zeit damit angefangen wird, wo es nur Sparbeschlüsse gibt.
 
  JB: Hat sich Ihrer Meinung nach die Situation der Kirche in diesen zwölf Jahren verändert?  
  RS:
Synodenprotokolle - Bei Klick: Vergrößerung in einem neuen Fenster!

Die gesammelten Protokolle
und Schriften aus zwölf Jahren

Ja, es hat eine gewisse Wende eingesetzt. Die Kirche kann nicht mehr so aus dem Vollen schöpfen. Die Synode verabschiedete Haushalte, die nur durch Rücklagen gedeckt waren. Die Synode wurde oft kritisiert, daß es nur noch um „sparen, sparen, sparen“ geht und die geistlichen Inhalte vergessen würden. Aber in den vergangenen Jahrzehnten mußte die Kirche nicht sparen.

Das Denken hat sich verändert. Man denkt marktwirtschaftlich. Kosten-Nutzen-Rechnungen werden aufgestellt. Mitarbeiter sind Arbeitnehmer, die Idee der Dienstgemeinschaft ist schwer durchzuhalten, z.B. wurden immer wieder Anträge an die Synode gerichtet, auf Lohnzuschläge zugunsten des Erhalts von Arbeitsplätzen zu verzichten. Aber das war praktisch nicht durchführbar. Ich habe den Eindruck, daß theologische Diskussionen von den Medien wenig nach außen vermittelt wurden. Ich erlebte bei der Verabschiedung des Prediger- und Prädikantengesetzes eine für mich hoch interessante, theologisch/juristische Auseinandersetzung, von der die Journalisten nicht berichteten.

In Zukunft wird uns, so glaube ich, die Zusammenarbeit von ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeitern vor allem in den Gemeinden herausfordern. Wenn ein Pfarrer in den kommenden Jahren in der Regel zwei bis drei Gemeinden zu versorgen hat, werden auch wir als Gemeindeglieder umdenken müssen. Zu überlegen, was die Aufgabe eines Pfarrers ist - und was nicht, das ist ein Lernprozeß für alle, der gut vorbereitet werden muß.

Die Kirchenleitung, d. h. Landessynode, Landeskirchenrat, Dekanatsausschuß und auch Kirchenvorstände werden sich in Zukunft mehr überlegen müssen, was notwendig ist, was in der Kirche auf keinen Fall fehlen darf, was unbedingt ihre Aufgabe ist und was auch andere Vereine oder Institutionen tun können. Dabei aber trotzdem eine Volkskirche zu bleiben, das wünsche ich mir.

 

  Zurück zum Gemeindegruß-Inhaltsverzeichnis  

  Zum Seitenanfang

Impressum und Haftungsausschluß

Zur Startseite  

  webmaster@wilhermsdorf.info