| |
|
Daraufhin kaufte der damalige Laubendörfer Pfarrer angeblich für sich
eine gebrauchte Trompete, die er mir auslieh. Ich durfte sie mir holen
und mußte sie nach dem Proben immer wieder zurückbringen. Später konnte
ich die Trompete dann zuhause behalten. Der Pfarrer wollte nur wissen,
ob ich auch wirklich durchhalte. Ich habe lediglich etwa 10 Stunden
Unterricht bei einem Trompeter in Wilhermsdorf erhalten und dann täglich
allein geprobt und mir das meiste selbst erarbeitet. Ich bekam sonst
keine weitere musikalische Ausbildung. |
|
|
JB: |
Was waren Ihre ersten Einsätze? |
|
| |
GW: |
Etwa 1951/52 durfte ich alle Morgen in der Schule den Morgenchoral
blasen. Später habe ich die Gottesdienste zusammen mit der Orgel
begleitet - manchmal auch ganz alleine. Da lastete dann schon ein
ziemlicher Druck auf mir. |
|
|
JB: |
Wie wurden Sie Posaunenchorleiter? |
|
| |
GW: |
1959 stand die Ableistung des Wehrdienstes bei der Bundeswehr vor mir.
Aber das Blasen sollte in Laubendorf weitergehen. Also wurde in der
Gemeinde gefragt, wer bereit wäre, das Blasen zu erlernen. Es meldeten
sich drei. Das waren meine ersten Schüler - und daraus entstand der
Laubendorfer Posaunenchor. |
|
|
JB: |
Wie kamen Sie in Kontakt zum Wilhermsdorfer Posaunenchor? |
|
| |
GW: |
Seit 1956 habe ich im Posaunenchor mitgespielt. Ich war damals fast
jeden Tag in Wilhermsdorf und ging in den CVJM und auch in den
CVJM-Posaunenchor. Wir richteten uns damals den „Luthersaal“ in einem
Gebäude hinter dem Kindergarten her. 1978 fand das erste Buß- und
Bettagskonzert in der Spitalkirche statt - seither finden diese Konzerte
alle zwei Jahre statt. 1979 an der 75-Jahrfeier des Wilhermsdorfer
Posaunenchors spielte auch der Laubendorfer Posaunenchor in der
Spitalkirche mit. |
|
|
JB: |
Wie wurden Sie Posaunenchorleiter in Wilhermsdorf? |
|
| |
GW: |
Mein Onkel Karl Billmann wollte 1981 die Leitung des Chores abgeben und
ein Nachfolger wurde gewählt. Neben mir stand noch eine weitere Person
zur Auswahl. Ich wurde gewählt. Seither leite ich beide Chöre. |
|
|
JB: |
Was hat sich im Verhältnis zu früher an der Bläserausbildung geändert? |
|
| |
GW: |
 |
|
Sein geschnitzter Notenständer
ist für Gerhard Wachtler Programm |
Früher konnten die meisten Spieler keine Noten. Ich habe immer Wert
darauf gelegt: Jeder Spieler hat die Noten zu lernen und zu kennen. Das
bringt auch für die Schule was. Auch der Ansatz hat sich stark
verändert. Früher hat man mit Druck geblasen. Oft hatten die Spieler
dabei hochrote Köpfe. Heute erlernt man den druckschwachen Ansatz.
Früher konnte man deshalb auch erst mit etwa 12 Jahren Posaune lernen,
wenn sich das Gebiß verfestigt hatte. Denn das Mundstück konnte die
Zähne massiv verschieben. Jetzt kann man schon ab 8 Jahren anfangen,
ohne Deformationen befürchten zu müssen.
Auch die Art des Blasens hat sich verändert. Früher wurden meist
Choräle geblasen - dann auch Volkslieder. Das Volksliederbuch von 1954
bot hierzu viel Notenmaterial und ist bis heute in Gebrauch, während
sich neuere Volkslieder-Sätze nicht so durchsetzen konnten.
Heute werden oft auch moderne Rhythmen gespielt. Ich durfte einige
Zeit lang bei den Nürnberger Bäckerposaunen mitproben. Dort lernte ich
das swingende Blasen kennen. Zu den Schallplattenaufnahmen dieses
damaligen Spitzenchores durfte ich aber nicht mit - da war ich nicht gut
genug.
Jetzt gibt es auch mehr Notenmaterial für klassische Stücke wie Bach
oder Mozart. |
|
|
JB: |
Welche Ausrichtung hat der Wilhermsdorfer Posaunenchor? |
|
| |
GW: |
Mir war immer wichtig: Wir sind nicht nur ein Konzertchor - es soll ein
jeder, der will, mitmachen können. Wenn wir dann junge Nachwuchsspieler
in den Chor eingliedern, sinkt zwar das Niveau ein wenig. Aber es wird
auch leichter, moderne Stücke zu spielen, bei denen sich die alten
Mitglieder schwerer tun, die nicht die neue Ausbildung mitgemacht haben. |
|
|
JB: |
Wie umfangreich ist die Ausbildungstätigkeit für den Nachwuchs? |
|
| |
GW: |
Ich habe derzeit 8 - 9 Stunden Unterricht jede Woche. Seit 2004 haben
wir 12 Mitglieder des Posaunenchores durch Wegzug und berufliche Gründe
verloren. Aber dafür sind 13 neue Spielerinnen und Spieler dazugekommen.
Wenn die Mütter mit ihren Kindern kommen, frage ich sie auch, ob sie
nicht mitblasen wollen. Oft müßten sie ein zweites Mal herfahren, um ihr
Kind wieder abzuholen. Da können Sie auch ohne großen Zeitverlust
mitblasen. Und für die Kinder ist das schön - und für die Frauen eine
neue Herausforderung und Abwechslung. Inzwischen haben so schon mehrere
Frauen zum Posaunenchor gefunden. Ich wundere mich immer selbst, wie gut
ich auch mit den Nachwuchsspielern zurechtkomme. |
|
|
JB: |
Welchen Stellenwert hat für Sie der Posaunenchor und was sagt Ihre Frau
dazu? |
|
| |
GW: |
Für mich gibt es eigentlich bloß den Posaunenchor und meine Arbeit. Ich
bin froh, daß meine Frau mitmacht, auch wenn es ihr oft schwerfällt,
weil sie an vielen Abenden allein ist. Wegen unseres Geschäftes, der
drei Kinder und des Haushaltes hatte sie keine Gelegenheit, das Blasen
zu lernen. Ich jedenfalls könnte mir ein Leben ohne die Bläserei nicht
vorstellen. Für mich ist da alles schön. |
|
|
JB: |
Was war in der letzten Zeit der Schwerpunkt Ihrer Arbeit? |
|
| |
GW: |
Ich habe mehrere Bläsergottesdienste erarbeitet mit Liedern, Texten und
Gebeten. Da ich heuer sechs Wochen wegen einer Krankheit ausgefallen
bin, habe ich die Zeit genutzt, um z.B. über Hiob und Elia
Passionsgottesdienste zu erarbeiten. Die Erarbeitungen kopiere ich für
alle Spieler und versehe sie mit einer Spiralbindung. |
|
|
JB: |
Haben Sie einen Tipp für Leute, die sich überlegen, ob sie im
Posaunenchor mitspielen sollen? |
|
| |
GW: |
Ganz spontan sage ich: „Einem Bären lernt man das Tanzen.“ Das heißt: Er
muß nichts können. Ein guter Wille ist alles, was man braucht. Während
man die Hörner leichter spielen kann, weil sie zum Greifen sind, braucht
man für die Posaunen mehr Gehör und muß mehr aufpassen, daß man den
richtigen Ton trifft. |
|
|
JB: |
Herr Wachtler, ich danke Ihnen für das Gespräch und Wünsche auch
weiterhin Gottes Segen. |
|