Nachrichten aus der Kirchengemeinde  
     
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Ein Leben für den Posaunenchor und zum Lob Gottes
25 Jahre Posaunenchorleitung in Wilhermsdorf
Gerhard Wachtler feierte ein seltenes Jubiläum

 
     
  Gerhard Wachtler (68) kann auf ein sehr engagiertes Leben zurückblicken. Ohne Blechblasinstrument und Posaunenchor kann er sich sein Leben nicht vorstellen. Er trat in die Fußstapfen seines Onkels und blieb dem Wilhermsdorfer Posaunenchor bis heute treu. Jürgen Bär hat ihn befragt:  
     
 
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JB: Sind Sie gebürtiger Wilhermsdorfer?
GW: Geboren bin ich in Langenzenn und habe dort auch meine erste Kindheit verbracht. Im Alter von 10 Jahren zogen wir nach Laubendorf. Dort besuchte ich die Schule.
JB: Wie sind Sie zum Posaunenspielen gekommen?
GW: Mein Onkel Paul Wachtler war im Posaunenchor in Wilhermsdorf. Er wollte mir unbedingt das Blasen beibringen. Er brachte mir ein Flügelhorn mit. Nachdem er etwa ein viertel Jahr versucht hat, mir das Blasen beizubringen, hat er entnervt aufgegeben.
 
    Daraufhin kaufte der damalige Laubendörfer Pfarrer angeblich für sich eine gebrauchte Trompete, die er mir auslieh. Ich durfte sie mir holen und mußte sie nach dem Proben immer wieder zurückbringen. Später konnte ich die Trompete dann zuhause behalten. Der Pfarrer wollte nur wissen, ob ich auch wirklich durchhalte. Ich habe lediglich etwa 10 Stunden Unterricht bei einem Trompeter in Wilhermsdorf erhalten und dann täglich allein geprobt und mir das meiste selbst erarbeitet. Ich bekam sonst keine weitere musikalische Ausbildung.  
JB: Was waren Ihre ersten Einsätze?
  GW: Etwa 1951/52 durfte ich alle Morgen in der Schule den Morgenchoral blasen. Später habe ich die Gottesdienste zusammen mit der Orgel begleitet - manchmal auch ganz alleine. Da lastete dann schon ein ziemlicher Druck auf mir.  
JB: Wie wurden Sie Posaunenchorleiter?
  GW: 1959 stand die Ableistung des Wehrdienstes bei der Bundeswehr vor mir. Aber das Blasen sollte in Laubendorf weitergehen. Also wurde in der Gemeinde gefragt, wer bereit wäre, das Blasen zu erlernen. Es meldeten sich drei. Das waren meine ersten Schüler - und daraus entstand der Laubendorfer Posaunenchor.  
JB: Wie kamen Sie in Kontakt zum Wilhermsdorfer Posaunenchor?
  GW: Seit 1956 habe ich im Posaunenchor mitgespielt. Ich war damals fast jeden Tag in Wilhermsdorf und ging in den CVJM und auch in den CVJM-Posaunenchor. Wir richteten uns damals den „Luthersaal“ in einem Gebäude hinter dem Kindergarten her. 1978 fand das erste Buß- und Bettagskonzert in der Spitalkirche statt - seither finden diese Konzerte alle zwei Jahre statt. 1979 an der 75-Jahrfeier des Wilhermsdorfer Posaunenchors spielte auch der Laubendorfer Posaunenchor in der Spitalkirche mit.  
JB: Wie wurden Sie Posaunenchorleiter in Wilhermsdorf?
  GW: Mein Onkel Karl Billmann wollte 1981 die Leitung des Chores abgeben und ein Nachfolger wurde gewählt. Neben mir stand noch eine weitere Person zur Auswahl. Ich wurde gewählt. Seither leite ich beide Chöre.  
JB: Was hat sich im Verhältnis zu früher an der Bläserausbildung geändert?
  GW:
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Sein geschnitzter Notenständer
ist für Gerhard Wachtler Programm

Früher konnten die meisten Spieler keine Noten. Ich habe immer Wert darauf gelegt: Jeder Spieler hat die Noten zu lernen und zu kennen. Das bringt auch für die Schule was. Auch der Ansatz hat sich stark verändert. Früher hat man mit Druck geblasen. Oft hatten die Spieler dabei hochrote Köpfe. Heute erlernt man den druckschwachen Ansatz. Früher konnte man deshalb auch erst mit etwa 12 Jahren Posaune lernen, wenn sich das Gebiß verfestigt hatte. Denn das Mundstück konnte die Zähne massiv verschieben. Jetzt kann man schon ab 8 Jahren anfangen, ohne Deformationen befürchten zu müssen.

Auch die Art des Blasens hat sich verändert. Früher wurden meist Choräle geblasen - dann auch Volkslieder. Das Volksliederbuch von 1954 bot hierzu viel Notenmaterial und ist bis heute in Gebrauch, während sich neuere Volkslieder-Sätze nicht so durchsetzen konnten.

Heute werden oft auch moderne Rhythmen gespielt. Ich durfte einige Zeit lang bei den Nürnberger Bäckerposaunen mitproben. Dort lernte ich das swingende Blasen kennen. Zu den Schallplattenaufnahmen dieses damaligen Spitzenchores durfte ich aber nicht mit - da war ich nicht gut genug.
Jetzt gibt es auch mehr Notenmaterial für klassische Stücke wie Bach oder Mozart.

 
JB: Welche Ausrichtung hat der Wilhermsdorfer Posaunenchor?
  GW: Mir war immer wichtig: Wir sind nicht nur ein Konzertchor - es soll ein jeder, der will, mitmachen können. Wenn wir dann junge Nachwuchsspieler in den Chor eingliedern, sinkt zwar das Niveau ein wenig. Aber es wird auch leichter, moderne Stücke zu spielen, bei denen sich die alten Mitglieder schwerer tun, die nicht die neue Ausbildung mitgemacht haben.  
JB: Wie umfangreich ist die Ausbildungstätigkeit für den Nachwuchs?
  GW: Ich habe derzeit 8 - 9 Stunden Unterricht jede Woche. Seit 2004 haben wir 12 Mitglieder des Posaunenchores durch Wegzug und berufliche Gründe verloren. Aber dafür sind 13 neue Spielerinnen und Spieler dazugekommen. Wenn die Mütter mit ihren Kindern kommen, frage ich sie auch, ob sie nicht mitblasen wollen. Oft müßten sie ein zweites Mal herfahren, um ihr Kind wieder abzuholen. Da können Sie auch ohne großen Zeitverlust mitblasen. Und für die Kinder ist das schön - und für die Frauen eine neue Herausforderung und Abwechslung. Inzwischen haben so schon mehrere Frauen zum Posaunenchor gefunden. Ich wundere mich immer selbst, wie gut ich auch mit den Nachwuchsspielern zurechtkomme.  
JB: Welchen Stellenwert hat für Sie der Posaunenchor und was sagt Ihre Frau dazu?
  GW: Für mich gibt es eigentlich bloß den Posaunenchor und meine Arbeit. Ich bin froh, daß meine Frau mitmacht, auch wenn es ihr oft schwerfällt, weil sie an vielen Abenden allein ist. Wegen unseres Geschäftes, der drei Kinder und des Haushaltes hatte sie keine Gelegenheit, das Blasen zu lernen. Ich jedenfalls könnte mir ein Leben ohne die Bläserei nicht vorstellen. Für mich ist da alles schön.  
JB: Was war in der letzten Zeit der Schwerpunkt Ihrer Arbeit?
  GW: Ich habe mehrere Bläsergottesdienste erarbeitet mit Liedern, Texten und Gebeten. Da ich heuer sechs Wochen wegen einer Krankheit ausgefallen bin, habe ich die Zeit genutzt, um z.B. über Hiob und Elia Passionsgottesdienste zu erarbeiten. Die Erarbeitungen kopiere ich für alle Spieler und versehe sie mit einer Spiralbindung.  
JB: Haben Sie einen Tipp für Leute, die sich überlegen, ob sie im Posaunenchor mitspielen sollen?
  GW: Ganz spontan sage ich: „Einem Bären lernt man das Tanzen.“ Das heißt: Er muß nichts können. Ein guter Wille ist alles, was man braucht. Während man die Hörner leichter spielen kann, weil sie zum Greifen sind, braucht man für die Posaunen mehr Gehör und muß mehr aufpassen, daß man den richtigen Ton trifft.  
JB: Herr Wachtler, ich danke Ihnen für das Gespräch und Wünsche auch weiterhin Gottes Segen.

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